#roadtoadelaide - Eine Lifesaving-Story von Carla Strübing

#roadtoadelaide - Eine Lifesaving-Story von Carla Strübing

Ich habe dieses Jahr den kompletten Sommer in Capbreton verbracht um mich dort gut auf den Jahreshöhepunkt, die Weltmeisterschaft in Australien, vorbereiten zu können. Ich hatte bei Flora Manciet Anfang des Jahres angefragt, ob ich von Juni bis Oktober mit dem Club in Capbreton trainieren könnte. Da ich schon Ende Mai mein Erasmus-Semester in Nantes beendet hatte konnte ich so direkt nach der Ripcurl-Rescue und dem Trainingslager in Lacanau Anfang Juni weiter in den kleinen Küstenort Südfrankreichs fahren. 

Wetiz hat mir einen Surfski und ein Board direkt dorthin liefern lassen, wofür ich sehr dankbar war! Untergebracht war ich bei einer Familie mit Kindern, die auch Rettungssport machen und nur 5 Minuten mit dem Rad vom Strand und damit dem Trainingsort entfernt wohnen. 

Im Juni musste ich noch relativ viel alleine trainieren da für die Franzosen die Schule oder Uni noch nicht beendet war. Ab Juli ging dann aber das Training für die Wettkampfgruppe des Clubs richtig los: Jeden Morgen um 8 Uhr die erste Einheit, gefolgt von einer zweiten um 19:30 Uhr. Mittwochs nachmittags war nach einer Iron-Session am Morgen Pause und samstags war (wenn wir keinen Wettkampf hatten) auch nur eine Einheit angesagt, Sonntag war frei zur Regeneration. Zwei Monate haben wir mit einer Gruppe aus manchmal fast 20 Leuten so trainiert. Ich war dabei nicht die einzige internationale Sportlerin, drei Spanier haben ebenfalls den gesamten Sommer in Capbreton zum Trainieren verbracht (Carlos Alonso Ruiz, David Buil Sanz, Itziar Abascal) und zwei Italiener (Nicoló di Tullio und Cornelia Rigatti) waren für zwei Wochen dort. Andrea Eling hat auch drei Wochen mit uns trainiert um sich optimal auf die Europameisterschaften in Irland vorzubereiten. 

Während der vier Monate habe ich immer mal wieder ein paar Stunden für den Club gearbeitet und zum Beispiel Training für die Jüngeren gegeben. Somit musste ich keinen Mitgliedsbeitrag oder ähnliches zahlen und hatte einen kleinen Nebenverdienst. Durch Zufall habe ich außerdem einen kleinen Job als Putzhilfe in einer Surfschule gefunden, der mir auch dabei geholfen hat meinen Lebensunterhalt gut abzudecken. 

Ich bin fast jedes zweites Wochenenede bei einem Wettkampf gestartet: Anfang Juni ein Longdistance-Wettkampf direkt in Capbreton, ein Longdistance Surfski-Rennen von Hendaye nach Saint-Jean-de-Luz, zu dem mich zwei Sportler aus Biarritz mitgenommen haben. Dann noch ein kleiner Wettkampf in Hendaye bevor ich Mitte Juli für den DLRG Cup nach Warnemünde gekommen bin. Dort habe ich gemerkt, wie viel mir das Training in Frankreich schon bis dahin gebracht hatte und ich konnte die Gesamtwertung für mich entscheiden. Zurück in Capbreton sind wir zwei Wochen später mit ein paar Sportlern zu einem Wettkampf nach Salinas in Spanien gefahren (Surf, Music and Friends Surf Festival). Danach folgte die Oceanperf-Challenge und die Open Hossegor. Ende September habe ich noch mit Daniel Roggenland, Luca Hillen und Christian Watermann bei den British Championships in Südengland (Portreath) mitgemacht und eine Woche danach, wieder zurück in Frankreich, bei den französischen Meisterschaften in Hendaye. 

Dank all der Wettkämpfe, auf denen ich diesen Sommer gestartet bin, konnte ich viele Erfahrungen sammeln und gute Ergebnisse erzielen. Die Zeit, die ich hier in Capbreton verbracht habe, hat mir eine Menge gebracht und ich denke, dass ich noch lang davon profitieren werde. Ich kenne meine Stärken und Schwächen nun viel besser und habe viel in der Welle Frankreichs gelernt. Für die Zukunft weiß ich, woran ich arbeiten muss und dank all der Leute, die ich durch den Sport in diesem Jahr kennengelernt habe, werde ich hoffentlich gute Möglichkeiten fürs Training auch im Ausland haben. 

Nicht nur das Training von Flora und die Leute, mit denen ich zusammen trainieren konnte, haben mich Fortschritte machen lassen, sondern auch das angenehme Klima der Region. In den Sommermonaten regnet es hier nur sehr wenig und es ist durchschnittlich 25-28 Grad warm. Selbst noch Ende September konnte ich nur im Badeanzug und bei strahlendem Sonnenschein trainieren. Diese Beständigkeit, was das Wetter betrifft, stellt für mich einen großen Vorteil im Vergleich zur deutschen Ost- oder Nordseeküste dar. Und natürlich hat der Atlantik auch einfach die größeren und schöneren Wellen. 

In der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften in Australien ist der größte Teil getan, nun heißt es noch so gut es geht in Hamburg auf der Alster weiterpaddeln und dann hoffe ich auf gute Ergebnisse mit der deutschen Nationalmannschaft in Adelaide!

An Frankreichs Atlantikküste hat man besonders im Süden sehr gute und abwechslungsreiche Bedingungen. Man trainiert fast immer mit Welle, mal höher und manchmal auch nur sehr klein, aber ich habe festgestellt, dass es eine ganz andere Belastung ist und man diese, wenn man den Sport auf einem höheren Niveau betreiben will, unbedingt braucht. Ich rate daher allen Ocean-Sportlern, die schon in der Ost- oder Nordseewelle Erfahrung sammeln konnten, zu einem längeren Aufenthalt in Frankreich! Dies lässt sich wunderbar in Sommerferien oder vorlesungsfreie Zeit integrieren und bringt eine Menge Erfahrung. Ich stehe gerne bei Fragen und Interesse zur Verfügung und kann Kontakte vermitteln und bei der Organisation helfen! 

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